Chinastudien an der Universität São Paulo

Stand 2009 / Artikel aus dem Archiv



Elf Uhr auf dem Campus der Universität São Paulo (USP). Man sieht kaum Studenten auf dem weitläufigen Gelände. Wüsste man nicht, wohin man ginge, man würde sich rasch verlaufen. Nach einem Besuch der Bibliothek der Fakultät für Philosophie, Literatur und Sozialwissenschaften mache ich mich auf den Weg zum Lehrerzimmer der Sinologischen Abteilung im Institut für Orientalische Sprachen. Hier treffe ich Herrn Antonio José Bezerra de Menezes, Dozent für klassische Literatur und Geschichte Chinas. Er arbeitet gerade an seiner Promotion und befasst sich hierfür mit dem Leben des Jesuitenpaters Joaquin Guerra. Obwohl er schon seit mehreren Jahren in der Abteilung aktiv unterrichtet muss er jetzt gemäß neuer Regelungen bald seine Doktorarbeit fertig stellen um weiter lehren zu dürfen. Dies wird nicht das einzige Problem sein, dass die Sinologen an der USP in den nächsten Jahren zu lösen haben.


Gegründet wurde die Sinologische Abteilung 1968 vom taiwanischen Künstler Sun Chia-Chin. Sun begleitete seinen Meister Zhang Daqian auf einer Brasilienreise. Nachdem Sun aus privatem Interesse Forschung an der USP betrieb wurde ihm angeboten, einen Lehrstuhl für Chinesische Sprach- und Literaturstudien einzurichten, den er dann besetzen könne. Der Bundesstaat São Paulo verlieh ihm später eine Medaille für seine Förderung von „Kultur & Zivilisation“ und kürte damit seine herausragenden Leistungen als Dozent der USP. Damals belegten im Durchschnitt 4-5 Studenten Suns Kurse. Heutzutage hat das Chinafieber auch Brasilien gepackt. Auf 15 angebotene Studienplätze bewerben sich mehr als doppelt so viele Studenten. Aber ist die Sinologische Abteilung hierauf vorbereitet?

Ich treffe mich mit einigen Studenten, um mehr hierüber zu erfahren. João Eduardo schloss 2006 sein Studium der Betriebswirtschaft an der USP ab. Aus Interesse belegte er damals Sinologie im Nebenfach. China reizt ihn besonders wegen seines Wirtschaftssystems. Im letzten Jahr seines Masterstudiums belegte er den 1er und 2er Kurs (mit 120 Std. pro Semester) des chinesischen Sprachunterrichts. Dieser legt einen Schwerpunkt auf die klassische Schriftsprache, aber nicht ausschließlich. Nach Abschluss seines Studiums belegte er den 3er Kurs, brach jedoch ab, weil ihn die Präsentation des Unterrichts nicht überzeugte. Weil João Eduardo mehr wissen wollte ging er für ein Semester nach Peking und arbeitete dort in der Brasilianischen Botschaft. Anders als erwartet verbesserte sich allenfalls die Kenntnis seiner Muttersprache, denn Chinesisch brauchte man für die Arbeit in der Botschaft eigentlich nicht. Er erzählt mir: „Der Unterricht an der USP gilt bereits als elitär, denn hier lernen Studenten tatsächlich neben der gesprochenen Sprache auch die Schriftsprache und kulturelles Hintergrundwissen. Und bis zum 3er Kurs lief auch alles gut.“


João Eduardo sieht das größte Problem der USP vor allem im mangelnden Nachwuchs qualifizierter Fachleute. Der bürokratische Aufwand zum Erhalt neuer Mittel sei enorm, und außerdem werden Universitätsabschlüsse aus der VR China und Taiwan in Brasilien nicht ohne weiteres anerkannt. Die Dozenten, die heute in der Sinologischen Abteilung unterrichten, kommen aus den verschiedensten Fachbereichen, wie beispielsweise Chemie und Erziehungswissenschaften. Unter den Lehrkräften sind drei chinesischstämmig, aber nicht alle Lehrkräfte sprechen Chinesisch.


Fragt man, was die Abteilung unbedingt in Angriff nehmen solle, so sind sich Studenten und Dozenten einig: ein fachlicher Masterabschluss muss ermöglicht werden. Eine andere Studentin gibt mir weitere Details. Ligia war eine der wenigen in den letzten Jahren, die einen Bachelor in Sinologie erworben hatte. Obwohl durchaus größeres Interesse da ist, rechnen viele Studenten die Kurse nicht an, da sie eine Verschlechterung des Gesamtergebnisses fürchten. Ligia glaubt, dass das Interesse der Studenten nicht ausschließlich auf dem wirtschaftlichen Wachstum Chinas beruht, sondern vor allem auf dem damit verbundenen Anwachsen des Wissens über das Land im Westen. „China ist kein unbekanntes Land mehr.“


Nach Erreichen des Bachelors war es schwer für Ligia, weiterhin einen Fokus auf China an der USP beizubehalten. Sie fand heraus, dass zwei Dozenten am Historischen Institut eine „Asian Study Group“ ins Leben riefen. So kommt es, dass Ligia zwar offiziell Ihren Master in Geschichte machen wird, sie sich in ihrer Abschlussarbeit aber auch mit der Kulturrevolution auseinandersetzen wird. Wenn Ligia sich nach dem Studium frei für einen Beruf entscheiden könnte, dann würde sie als Dozentin der Sinologischen Abteilung arbeiten. Sie wünscht sich sehr, dass dieser Fachbereich an der USP erweitert und verbessert wird.


Studenten empfehlen eine Überarbeitung der Kursstrukturen, gezielte Einführungskurse und mehr Erweiterungskurse. Sie möchten in dem mittlerweile auf fünf Jahre ausgelegten Studiengang tiefer auf konkrete Themen eingehen. Bei den Studierenden ist die Dozentin Frau Ho Ye Chia am beliebtesten, denn sie bemüht sich darum, Stipendienplätze für ihre Studenten zu finden und versucht, sie an die Felder der Forschung heranzuführen. Sie und ihre Kollegen Herr Menezes und Herr Horta bemühen sich seit einigen Jahren darum, neue Kurse anzubieten und auch den Wahlbereich interessanter zu gestalten. Engagiert sind sie allesamt, Dozenten wie Studenten. Doch Engagement allein reicht nicht aus, das komplexe Regelwerk zu überschauen. Der Institutsleiter Prof. Mario Bruno Sproviero trat letztes Jahr den Ruhestand an. Eine Nachfolge ist noch nicht klar. Aber sie ist dringend. Ein Institut ohne Leitung kann die aufgestellten behördlichen Hürden nicht überwinden und folglich nicht weiter wachsen.


Interview: “Das Gebiet der Sinologie in Brasilien war wie ein Urwald, und ich hatte sozusagen die Schmutzarbeit zu erledigen.”


Gegen 13 Uhr verdunkelt sich der Himmel über der Stadt und Menschen eilen, um einen Unterschlupf zu finden. Wer einen Regentag in Sao Paulo erwischt, der wäre mit einem Floß gut beraten. Herr Menezes und ich sind auf dem Weg zu Prof. Sprovieros Haus. Eine Studentin warnte mich vor meinem Interview mit folgenden Worten: „Vielleicht wirst du etwas verwirrt sein, denn Prof. Sproviero weiß so viele Dinge, dass es länger dauert, bis er zum Punkt kommt. Seinen Gedanken zu folgen ist nicht einfach.“ Am Ende des Interviews verstand ich, was sie meinte.

Mario Bruno Sproviero ist italienischer Abstammung und wuchs in Italien auf. Er studierte Philosophie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München und belegte Klassische Sinologie nur aus Vergnügen. Nach seiner Rückkehr nach Brasilien schubste ihn das Schicksal weiter in diese Richtung und er begann an der Sinologischen Abteilung der Universität von Sao Paulo (USP), damals unter der Leitung von Dr. Sun Chia-Chin, zu unterrichten. Mittlerweile ist Prof. Sproviero im Ruhestand. Er war sehr begeistert von den seinerzeit modernen Sprachlaboren der Sinologie in München. Weil er auch heute noch gerne Deutsch spricht, führen wir das Interview auf Deutsch.

SHAN: Herr Sproviero, wie war das damals mit ihrem Studium?

Mario Bruno Sproviero: Es war sehr kompliziert. Ich hatte eine intellektuelle Krise. Ich habe mich zuerst den Mathematikwissenschaften gewidmet, und dann habe ich zur Philosophie gewechselt. Aber auch Philosophie war problematisch. Ich hatte einen jüdischen Professor aus Prag, Prof. Vilém Flusser, der sich mit der Philosophie der Sprache beschäftigte, und Theorien zu Sprache und Realität aufstellte. Da ich etwas Neues erfahren wollte habe ich die chinesische Sprache in München als Nebenfach gewählt. Als ich nach Brasilien zurückkehrte wurde Chinesisch zu meinem Hauptinteresse, aber das war ein Zufall. Ursprünglich hatte ich keine Pläne, mich mit der chinesischen Kultur zu befassen. Mein eigentliches Interesse galt immer der Philosophie und damit wollte ich arbeiten.

Damals hatte Sie auch Sun Chia-Chin beeinflusst?

Ja, natürlich, und auch Zhang Daqian, der Maler. Sun kam nach Brasilien, um vom Maler Zhang Daqian zu lernen. Sun lebt jetzt in Taiwan, ist 81 Jahre alt und sehr berühmt. Er sprach hochsprachliches Chinesisch und war somit eine Rarität in Brasilien. Ich habe viel von ihm gelernt. Wir hatten zwei weitere chinesische Lehrer, beide sehr gut. Es war nicht einfach, nach dem zweiten Weltkrieg gab es einen großen Zuwanderungsstrom.

Wenn Sie sagen, dass die Sinologie ein Zufall in Ihrem Leben war, ist dann mit der Zeit nicht Ihr Herz doch hineingewachsen?

Nein. Als ich damals zurück nach Brasilien kam und Professor Sun erfuhr, dass ich etwas Chinesisch spreche, hat er mich gefragt, ob ich nicht unterrichten will. So hat es angefangen. Sun sagte: Sie müssen nach Taiwan, und dort können Sie sich sprachlich weiterentwickeln. 1977 ging ich für ein Jahr nach Taiwan. Der Aufwand war sehr bürokratisch und die Gelegenheiten für so einen Aufenthalt selten. Bis etwa 20 Jahre später konnte niemand ein Stipendium bekommen. So schwer war es.

Wie war es, als Sie das erste Mal chinesische Kultur erlebten?

Es war sehr beeindruckend! Ich habe den Vergleich zu Deutschland gemacht. Es war ganz anders. In Deutschland war alles vertrauter, nicht so anders. Aber als ich in China war konnte ich kaum glauben, wirklich da zu sein und die Sprache zu sprechen. Es war wie ein Traum. In Deutschland befand ich mich in einer Krise. Prof. Flusser fragte mich, was ich mache. Und als ich sagte, dass ich Philosophie und Sinologie studierte, da sagte er: Sie sind verrückt.

In Taiwan hatte ich einen chinesischen Freund. Er hatte mir sehr geholfen. Jetzt unterrichtet er an einer taiwanischen Universität. Er hatte zu mir gesagt: „Ich glaube, dass die chinesische Kultur die einzige Möglichkeit für die Welt ist, Frieden zu haben.“ Ich war anderer Meinung. Obwohl wir Freunde waren hatten wir immer eine kulturelle Auseinadersetzung, dennoch blieb er mein Freund. Und er hatte ein Seminar für etwa 30 Postgraduierte, 15 Chinesen, und 15 Ausländer aus aller Welt. Und alle wollten „chinesisch“ werden. Unter den Ausländern war ich der einzige, der das nicht wollte. Dennoch hat er sich unter allen Studenten mich ausgesucht, um mit mir eine Freundschaft aufzubauen und meinte: „Sie sind der einzige, der chinesisch ist.“ Er polemisierte natürlich.

Ich habe damals vieles gelernt, zwar nicht aus Büchern, aber die Erfahrung war phantastisch. Seitdem war ich nicht mehr in China. Als ich zurückkam erlebte ich eine große Krise. Ich konnte nicht nur eine Richtung anstreben, hatte keine wirkliche Berufung. Dann habe ich mich mit chinesischer Philosophie und auch mit Religionen auseinandergesetzt, nicht mehr so sehr mit Logik und wissenschaftlicher Philosophie. In München war mein Hauptfach Logischer Positivismus bei Prof. Steckmüller. Das war der „Wiener Kreis“, dort sagt man, es handle sich um eine Enantiodromie: zuerst geht man in eine Richtung, aber dann schwenkt man auf eine ganz andere Richtung.

Was machen Sie jetzt, nachdem Sie im Ruhestand sind?

Das ist das erste Jahr meines Ruhestandes. Es war kein Problem, aber ich denke nach, und jetzt meditiere ich mehr. Mein Leben wird mir klarer. Das ist eine Reflektion, und ich denke darüber nach, was ich gemacht habe. Ich kann immer noch entscheiden.

Ich habe ein Werk zu Laozi verfasst und mich mit dem „Wei“, dem „Nichtsmachen“ auseinandergesetzt, und dieses Nichtsmachen… (er zittert aus „Was geht uns Noah an?“ von Wolfgang von Schöfer) „Das Medium, das Bewusstsein der Sprache, es ist weder passiv noch aktiv, denn dies beinhaltet Trennung von der Welt“, und Laozi sagt, dass man diese Trennung nicht vollziehen soll. Man kann die Natur nicht verwandelt, aber man ist auch nicht von der Natur getrennt. Und das ist das Medium. Man soll nichts gegen etwas machen, was mit einem in Einheit steht.

Aber ich persönlich finde nichts zu machen passiv, meine Tendenz geht in diese Richtung, aber wenn etwas aufkommt … Bis jetzt konnte ich nicht nein sagen. Als ich meine Doktorarbeit machte, wollte ich nicht, aber ich konnte nicht anders als es zu verwirklichen. Aber ich suchte es nicht. Dieses Buch von Wolfgang von Schöfer hat mich sehr beeinflusst, weil er sagt: Sprache ist Bewusstsein. Wenn man das Medium der Sprache nicht mehr hat, dann ist etwas aus dem Bewusstsein verschwunden, man hat etwas verloren. Die Einheit bildet sich daraus, wie man mit dieser Sache arbeitet, nicht dagegen zu sein, aber auch nicht aktiv zu sein. Der Autor hat, soweit ich weiß, nur dieses eine Buch geschrieben.


In Brasilien gibt es kaum noch übersetzte Literatur aus dem Chinesischen. Wenn ich mir Ihre Vita anschaue sehe ich, dass sie viel geleistet haben. Wenn Sie selbst zurückblicken, haben Sie das Gefühl, etwas erreicht zu haben, um künftige Forschungsbedingungen zu verbessern?

Es ist schwer zu beurteilen, was man selbst gemacht hat. Das Gebiet der Sinologie in Brasilien war wie ein Urwald, und ich hatte sozusagen die Schmutzarbeit zu erledigen. An unserer Universität sind alle Verbliebenen einmal meine Schüler gewesen. Er schaut zu Herrn Menezes und übersetzt für ihn ins Portugiesische, und teilt ihm mit, dass er und seine Kollegen für ihn die Früchte seiner Arbeit darstellen.

Was haben Sie am Anfang unterrichtet?

Die alte Sprache und Kultur. Ich habe immer Kultur gemacht. Unsere Fakultät ist primär eine Sprachenfakultät, der Kulturunterricht umfasste nur zwei Kurse im ersten Jahr, aber ich habe immer Wert auf den kulturellen Hintergrund gelegt, besonders auf die Philosophie des Konfuzianismus und des Daoismus. Ich habe mich in meinen Thesen mit dem Han Feizi befasst. Prof. Sproviero holt das Buch und erzählt. Man verlor den Konfuzianismus, aber man verlor ihn nicht als Staatsreligion.

Was war der Unterricht in den Anfängen an der USP, als Sun Chia-Chin am Institut war?

Am Anfang war die Vermittlung von Sprache eher intuitiv, weil eine vertiefte Kenntnis der chinesischen Grammatik nicht vorhanden war. Die alten Sprachen sind sehr schwer. Ich habe die Gabe diese Dinge zu lernen und habe mich in die Grammatik vertieft. Ich habe den Bereich zur Kultur gemacht, weil ich besser Portugiesisch konnte als die chinesischen Kollegen, so auch die alten Sprachen. Ich lernte Wenyan und Baihua. Am Anfang wollte ich Baihua nicht erlernen. Ich bin zu theoretisch. Ich kann nicht einfach etwas voraussetzen, sondern muss es hinterfragen. Es ist schwer eine Sprache ohne linguistische Bücher, ohne Theorie, zu lehren.

Was war vorher? Wie wurde unterrichtet?

Prof. Sproviero schmunzelt. Unsere Studenten sind leider nicht wie die Studenten in Deutschland, die ernsthaft studieren. Wir müssen alles genau erklären, viele Übungen machen. Sie können nicht von sich aus lernen. So ist es sehr langsam. Ich kann nicht sagen, lesen sie das Buch und dann können wir weiterreden. Nein, ich muss alles erklären. Es sind zu viele Übungen zu einer Lektion. Es ist viel Arbeit. Jetzt haben wir auch das chinesische Fernsehen hier, aber damals war das nicht so. Es war sehr schwer. Mit jetzt ist das nicht vergleichbar.

Wie viele Studenten studierten damals Sinologie?

Damals waren das fünf oder sechs Studenten, manchmal auch nur drei. Jetzt ist die Zahl explodiert. Ganz andere Verhältnisse.


Hat sich der Typ Student geändert?

Damals gab es viele Studenten, die gerne Chinesisch gelernt haben. Sie konnten ein anderes Fach nicht auswählen und haben sich dann für Chinesisch entschieden. Sie hatten keine Wahl. Jetzt ist es ganz anders. Es ist peinlich, wenn ein Lehrer unterrichtet und die Studenten kein Interesse zeigen.


Wenn Sie die Entwicklung Ihres Faches an der USP betrachten, haben Sie dann das Gefühl, das bis jetzt schon vieles erreicht wurde?

Es war eine gute Entwicklung. Heute haben alle Dozenten einen Doktor gemacht oder arbeiten daran. Sie sind mehr im Business. Die Dozenten am Anfang waren gute, aber auch chinesische Betrachter, nicht von unserer Universität. Die Lehrer in Taiwan waren genauso. Sie wollten nicht Grammatik lehren, sie hatten alte chinesische Erziehungsmethoden, und wir waren anders. Jetzt ist das nicht mehr so, die Chinesen wenden unsere Methoden an und wir natürlich auch ihre.

Die brasilianischen Universitäten waren immer gegen uns. Das ist etwas provinziell. In Deutschland war das nicht so. In Brasilien hatte man die chinesische Sprache und andere exotische Sprachen nicht besonders gern. Die Leute haben es nicht verstanden. Und jetzt wo China boomt ist es wieder anders.

In Deutschland war das aber nicht anders. Man hat auch viel um Anerkennung und Akzeptanz kämpfen müssen.

Aber es war anders. Er legt mir das Buch von Leo Gabriel „Interkulturelle Philosophie“ vor und belegt, dass man sich doch anders mit der Methodik zur Kulturforschung auseinandersetzte. Leibnitz war sehr begeistert von China. Wolf befasste sich auch mit China. Und Hegel hat die chinesischen Gedanken sokratisiert.

Was wünschen Sie der Sinologischen Abteilung?

Den Masterstudiengang, sonst werden wir nicht überleben. Das wäre eine gute Sache.

Ist es bald realisierbar?

Ja, das Japanische Institut ist nicht wirklich besser als wir, sie haben ein paar Lehrer mehr, aber sie haben die Bewilligung bekommen.

Sie sind im Ruhestand, eine neue Leitung muss gefunden werden, welche Kriterien gibt es für Ihre Nachfolge?

Klar, das ist notwendig für den Masterstudiengang. Wir sollten nicht nur Modernes Chinesisch unterrichten, sondern auch mehr Geschichte und Kultur. Das ist ein großer Unterschied zwischen Europa und Brasilien. In Brasilien weiß man überhaupt nichts über Geschichte, nichts über den Ersten Weltkrieg, nichts über Kriege zwischen China und Japan. Wir müssen die geschichtliche und kulturelle Basis fördern. Wer war Mao? Wer Stalin? Und warum Mao und Stalin? Solche Informationen sind wichtig.


Herr Sproviero, vielen Dank für das Gespräch.




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